Die Verdauung – so funktioniert der Darm

Gut zu wissen: Im Laufe eines durchschnittlichen Lebens nehmen wir fast 30 Tonnen feste Nahrung und 50.000 Liter Flüssigkeit zu uns.

„Was oben reinkommt, muss unten wieder raus.“ Das ist leicht dahingesagt, denn der Weg, den die Nahrung von oben nach unten zurücklegen muss, ist ziemlich lang. Der Verdauungskanal mit seinen verschiedenen Bestandteilen ist etwa acht Meter lang. Die kurvenreiche Reise der Speisen und Getränke benötigt bis zu 30 Stunden. Da verwundert es nicht, dass man mal häufiger und mal seltener Stuhlgang hat. Normal ist alles zwischen dreimal täglich und dreimal wöchentlich.

Was passiert mit der Nahrung?

  • Mund: Die Verdauung der Speisen beginnt bereits im Mund. Jeder Bissen wird von den Zähnen zerkleinert, mit Speichel vermischt und so für den Weitertransport in die Speiseröhre vorbereitet.
  • Speiseröhre: Ist der Nahrungsbrei gleitfähig genug, schlucken wir ihn hinunter. Die kräftige Wandmuskulatur der Speiseröhre sorgt dafür, dass die vorverdaute Nahrung nicht einfach hinunterrutscht, sondern kontrolliert vorwärtsbewegt wird. Schließmuskeln an beiden Enden verhindern, dass die Nahrung den umgekehrten Weg nehmen kann.
  • Gut zu wissen: Knapp 80 Prozent unserer Abwehrkräfte befinden sich im Darm. Aktiviert werden sie von den 400 verschiedenen Bakterienarten, die man in ihrer Gesamtheit als Darmflora bezeichnet. Eine Störung des Gleichgewichts durch Krankheiten, Stress oder Antibiotika bedeutet auch immer eine Schwächung des Immunsystems.
  • Magen: Im Magen wird der Speisebrei mit Magensaft vermischt, der Enzyme und Salzsäure enthält. Letztere zersetzt das Essen und tötet Keime und Bakterien ab. Damit die Salzsäure nicht den Magen angreift, ist die Magenwand mit einer Schutzschicht ausgekleidet. Muskelkontraktionen vermischen alles und schieben die Masse Richtung Dünndarm.
  • Dünndarm: Der fünf bis acht Meter lange Dünndarm leistet die eigentliche Verdauungsarbeit. Hier wird die Nahrung in ihre einzelnen Bausteine zerlegt und von den Zellen der Darmschleimhaut aufgenommen. Von dort gelangen sie ins Blut, das sie zu den anderen Organen transportiert.
  • Dickdarm: Die Hauptaufgabe des Dickdarms ist es, dem Nahrungsbrei weiter Wasser zu entziehen. Durch das Zusammenspiel verschiedener Muskeln entsteht eine Welle – die sogenannte Darmperistaltik –, die die Speisereste vor sich herschiebt. Damit die immer fester werdende Masse gleitfähig bleibt, produziert der Darm laufend Schleim.
  • Mastdarm: Die unverdaulichen Teile der Nahrung treten nun in den deutlich engeren Mastdarm über und lösen dort durch die Dehnung den Stuhldrang aus. Unterdrücken wir diesen Reflex, wird der Kot hier gespeichert.

Das Bauchgehirn

Das Nervengeflecht, das den Darm umspannt, besteht aus 100 Millionen Nervenzellen und ist damit größer als das Nervensystem im Rückenmark. Auf direktem Wege koordiniert das sogenannte Bauchgehirn die Verdauung völlig unabhängig vom Kopfgehirn. Doch da Bauch und Kopf ansonsten eng miteinander vernetzt sind, schlägt uns Stress sprichwörtlich auf den Magen, müssen wir schlechte Nachrichten erst einmal verdauen und treffen wichtige Entscheidungen meistens aus dem Bauch heraus.
   nach oben