Verstopfung: Sprechen Sie darüber!

Viele sind betroffen, doch kaum jemand spricht darüber. Wer jedoch aus Scham schweigt, quält sich unnötig lange mit Schmerzen und Unwohlsein herum und riskiert ernsthafte Komplikationen. Dabei ist es in den meisten Fällen ganz einfach, einen trägen Darm wieder in Schwung zu bringen.

  • Was ist Verstopfung?
    Gut zu wissen: Jeder dritte Erwachsene leidet unter gelegentlicher oder gar chronischer Verstopfung. Dabei sind Frauen dreimal häufiger als Männer und ältere Menschen fünfmal häufiger als junge Erwachsene betroffen.

    Verstopfung ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Sie kann als Folge einer Grunderkrankung auftreten oder funktionell bedingt sein. Fast jeder Mensch leidet ab und zu unter Verdauungsproblemen, zum Beispiel auf Reisen, in Stresssituationen oder aus Ekel vor unhygienischen Sanitäranlagen. Erst wenn jemand über einen Zeitraum von drei Monaten seltener als dreimal pro Woche Stuhlgang hat, sprechen Mediziner von chronischer Verstopfung.

  • Wer ist betroffen?
    Gut zu wissen: Chronische Verstopfung kann unbehandelt zu ernsthaften Komplikationen wie Entzündungen der Darmschleimhaut, einem Mastdarmvorfall (Rektumprolaps), Kotstau oder einem Darmverschluss führen.

    Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Neben altersabhängigen Krankheitsbildern (Demenz, Parkinson, Diabetes mellitus) und Darmerkrankungen (Divertikulitis, Hämorrhoiden, Darmkrebs) wirken sich auch bestimmte Medikamente ungünstig auf einen regelmäßigen Stuhlgang aus. Dazu gehören beispielsweise Opiate, Anticholinergika, Psychopharmaka, Tabletten gegen Bluthochdruck oder Eisenpräparate.

  • Was sind die häufigsten Ursachen?

    Leiden Sie unter Verstopfung? Die Warnsignale!

    Wenn zwei der folgenden Kriterien über einen Zeitraum von drei Monaten erfüllt sind, spricht man von Verstopfung. In diesem Fall sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

    • Seltener als dreimal pro Woche Stuhlgang
    • Heftiges Pressen bei mind. jedem vierten Stuhlgang
    • Harter Stuhl
    • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
    • Gefühl einer Blockade des Enddarms
    • Geleg. Einnahme von Abführmitteln
    • Geleg. Hilfsmittel zur Entleerung notwendig (Klistier)

    Eine Verstopfung kann als Symptom einer Darmerkrankung auftreten, als Begleiterscheinung von Stoffwechselerkrankungen, hormonellen Störungen oder Erkrankungen des Nervensystems, als Nebenwirkung bestimmter Medikamente sowie vorübergehend aufgrund von Stress, Bettlägerigkeit oder ungewohnter Kost im Urlaub. Häufiger ist Verstopfung jedoch auf eine falsche Lebensweise zurückzuführen. Um den Transport der Nahrung durch den Verdauungstrakt zu gewährleisten, brauchen wir Bewegung, da sonst die Bauchmuskeln, die normalerweise die Darmtätigkeit unterstützen, erschlaffen. Notwendig für das Vorankommen des Darminhalts sind außerdem Reize, die sich aus seinem Volumen ergeben. Dafür sorgen im Normalfall Ballaststoffe, die wiederum viel Flüssigkeit benötigen, um aufzuquellen, die Darmbewegung anzuregen und den Stuhl weich und gleitfähig zu machen. Sind all diese Voraussetzungen nicht gegeben, verlängert sich die Transportzeit der Speisereste im Dickdarm, so dass der Nahrungsbrei immer mehr eindickt und der Stuhl hart wird. In Kombination mit altersbedingten Veränderungen des Magen-Darm-Trakts sind Beschwerden mehr oder weniger vorprogrammiert.

  • Was macht der Arzt?
    Gut zu wissen: Ein Stuhlprotokoll erleichtert Ihrem Arzt die Diagnose. Notieren Sie dazu zwei Wochen lang täglich, ob Sie Stuhlgang hatten, die Darmentleerung vollständig war, Ihnen diese Schmerzen verursacht hat und Sie Abführmittel verwenden mussten.

    Da hartnäckige Verstopfung nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigt, sondern auch Ihrer Gesundheit schaden kann, sollten Sie sich nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen. Zunächst wird er ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit Ihnen führen, in dessen Verlauf er Sie nach Ihren Ernährungsgewohnheiten, Stuhlbeschaffenheit und -häufigkeit, Vorerkrankungen, Änderungen des Lebensstils etc. fragen wird. Anschließend nimmt er eine körperliche Untersuchung vor, bei der der Bauch abgetastet und abgehört wird. Häufig lässt sich jetzt schon die Diagnose stellen. Bei Verdacht auf ernsthafte Darmerkrankungen oder andere Ursachen folgen weitere Tests wie zum Beispiel Laboruntersuchungen oder eine Darmspiegelung.

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
    |Verstopfung|
    In leichten Fällen genügen bereits eine Ernährungsumstellung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Bewegung.

    Die anschließende Therapie hängt von der Ursache der Verstopfung ab. In leichten Fällen genügen bereits eine Ernährungsumstellung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Bewegung. Bringen diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, bedarf es einer weiterreichenden Therapie unter ärztlicher Anleitung, um zu verhindern, dass die Verstopfung chronisch wird.

    Gut zu wissen: Unterdrücken Sie niemals den Stuhldrang. Der Stuhl wird dadurch härter und benötigt länger bis zur Ausscheidung. Das verstärkt die Verstopfung.

    Steckt eine Krankheit hinter den Beschwerden, muss diese entsprechend behandelt werden. Leider führt die Therapie von Grunderkrankungen wie z. B. Parkinson, Diabetes oder Querschnittslähmung nicht immer zur Auflösung der Verstopfung. In diesen Fällen kann eine Therapie mit Abführmitteln angezeigt sein. Ist die Darmträgheit auf die Einnahme bestimmter Medikamente zurückzuführen, zu denen es keine Alternative gibt (z. B. Schmerzmedikation oder Parkinsonmedikation), müssen Abführmittel verabreicht werden. Auch in akuten Fällen und zur Vermeidung von Bauchpressen (z. B. nach einem Herzinfarkt oder bei starkem Bluthochdruck) ist ihr Einsatz notwendig. Allerdings sollten Sie bzw. Ihr Arzt ein Mittel bevorzugen, das nicht nur schnell und zuverlässig wirkt, sondern sich auch an den natürlichen Abläufen im Darm orientiert, möglichst wenig Neben- und Wechselwirkungen hat und nicht zur Gewöhnung führt. Zudem ist es gerade bei älteren Menschen wichtig darauf zu achten, dass Abführmittel zusätzlich Elektrolyte enthalten (z. B. Movicol), die für einen ausgeglichenen Mineralhaushalt sorgen (s. Kasten).

Wie funktionieren Abführmittel?

Abführmittel beschleunigen und erleichtern die Darmentleerung. Es gibt vier Gruppen von Abführmitteln:

  • Osmotisch wirksame Abführmittel (z. B. Macrogol) sind Substanzen, die Wassermoleküle binden und den Stuhl weicher machen. Gleichzeitig vergrößern sie das Stuhlvolumen und regen somit die Darmtätigkeit an. Macrogol in Kombination mit Elektrolyten (z. B. MOVICOL und ISOMOL) beugt zudem abführmittelbedingten Elektrolytverlusten vor und kann somit auch langfristig eingenommen werden. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Abführmitteln ergaben die bestmögliche Bewertung für Macrogol.
  • Anthrachinone sind die pharmakologisch wirksamen Bestandteile zahlreicher pflanzlicher Drogen (z. B. Rhabarberwurzel, Sennesfrüchte, Sennesblätter, Faulbaumrinde und Kap-Aloe). Diese hemmen die Wasseraufnahme aus dem Darm und verstärken die Ausscheidung von Wasser und Elektrolyten was den Stuhl weicher macht. Letztlich wirken diese Abführmittel kontraproduktiv da der Verlust der Elektrolyte die Darmträgheit verstärkt. Daher sollen sie ausschließlich kurzfristig eingenommen werden.
  • Quellmittel (z. B. Leinsamen, Kleie, Flohsamen) erhöhen das Stuhlvolumen, indem sie Wasser binden und aufquellen. Durch den Dehnungsreiz wird die Darmtätigkeit angeregt. Allerdings benötigen Quellmittel viel Flüssigkeit, da der Speisebrei sonst verklumpt und die Verstopfung verschlimmert. Im schlimmsten Fall kann das zu einem Darmverschluss führen.
  • Gleitmittel und Klistiere werden durch den After eingeführt und eignen sich vor allem bei Entleerungsproblemen des Enddarms. Sie wirken sofort, können aber auf Dauer die Schleimhäute reizen.
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